CFP: Raumbilder – Bildräume: Zum Potential der kulturwissenschaftlichen leitbegriffe Bild und Raum in der kunsthistorischen Forschung

Deadline:  31 January 2014

Mainz, Germany

18-20 July 2014

3. Tagung des Vereins DAS BILD ALS EREIGNIS E.V.

Der Verein Das Bild als Ereignis wurde 2011 gegründet und dient dem organisierten Austausch vornehmlich kunsthistorischer Nachwuchswissenschaftler sowohl untereinander als auch mit etablierten Forschern. Im Unterschied zu anderen Zusammenschlüssen dieser Art besteht das verbindende Moment nicht in einem gemeinsamen Forschungsobjekt (Künstler, Epoche, Gattung), sondern in der Form des problemorientierten Arbeitens, die sich durch eine bewusste Kombination von abstrakter Begriffsarbeit und Arbeit am empirischen Objekt auszeichnet. Unter diesem Leitgedanken fanden die Tagungen Das Bild als Ereignis. Zur Lesbarkeit spätmittelalterlicher Kunst (Heidelberg 2011) sowie Mediale Dimensionen von Reproduktion (Gießen 2012) statt. Diese Linie soll 2014 mit der Tagung Raumbilder – Bildräume: Zum Potential der kulturwissenschaftlichen Leitbegriffe Bild und Raum in der kunsthistorischen Forschung in Mainz fortgesetzt werden.

Die Frage nach den Begriffen Bild und Raum in der Kunstgeschichte aufzuwerfen, mag auf den ersten Blick müßig anmuten, gehören diese Wörter doch zum selbstverständlichen Vokabular der Kunstgeschichte. Die Mona Lisa ist ein Bild und hängt im Raum, perspektivisch angelegte Bilder erzeugen einen Bildraum, im Unterschied zu einem flachen Bild ist die Architektur eine Raumkunst, Bilder stellen etwas dar, Architektur nicht – die Reihe solcher Aussagen ließe sich beliebig fortsetzen. Doch kommt einer Abbildung in einem Verkaufskatalog dieselbe Bildhaftigkeit zu, wie der Mona Lisa? Hängt das Bild nur passiv im Raum oder formt es den Raum auch? Stellt Architektur nicht auch andere Architektur dar? Angesicht solcher Phänomene erweist sich die umgangssprachliche Verwendung von Bild und Raum als ungenügend, da sie für wissenschaftliche Ansprüche nicht differenziert genug und ohne heuristischen Wert ist. Hierauf hat die Forschung reagiert, indem allgemeine Theorien zu diesen Begriffen entwickelt wurden, wovon die pictorial, iconic und spatial turns künden. Leider gestalten sich diese turns ihrerseits sehr heterogen, so dass sich die damit jeweils vertretene Position oft schwer greifen lässt und die Konsequenzen für die kunsthistorische Forschung unklar bleiben.

In dieser Problemsituation möchte die Tagung ansetzten. Um den Rahmen überschaubarer und gleichsam spannungsvoll zu gestalten, soll Raum im Sinne der aktuellen Raumsoziologie verstanden werden, etwa nach der Definition von Martina Löw, wonach gilt: „Raum ist eine relationale (An)Ordnung sozialer Güter und Menschen (Lebewesen) an Orten.“ Im Gegensatz zu dieser recht weit ausgearbeiteten Raumtheorie soll bei der Diskussion um den Bildbegriff die Mannigfaltigkeit im Sinne von Theorieelementen betont werden. Zu denken wäre hier z.B. an Max Imdahls Ikonik, Klaus Sachs-Hombachs allgemeine Bildwissenschaft, Gottfried Boehms Bildkritik, Hans Beltings Bild-Anthropologie oder Horst Bredekamps Theorie des Bildakts. Die Spannung entsteht nicht nur durch die unterschiedliche Art der theoretischen Ausarbeitung, sondern vor allem dadurch, dass die Soziologie an gesellschaftlichen Konstellationen, die meist aus der philosophisch orientierten Kunstgeschichte stammenden Bemühungen um das Bild hingegen am materiellen Objekt, dessen Wesen oder erkenntnistheoretischer Leistung interessiert sind. Daher verwundert es nicht, dass Arbeiten zum Bildbegriff den Raum vernachlässigen und umgekehrt. Die kunsthistorische Forschung mit ihrem Interesse am konkreten historischen Objekt könnte von beiden Ansätzen profitieren, wenn sie weder auf die Auseinandersetzung mit dem Einzelwerk noch auf seine Stellung in einem gesellschaftlichen Zusammenhang verzichten möchte. Im Gegenzug könnten ihre an verschiedenen historischen Konstellationen gewonnenen Erkenntnisse wiederum die theoretischen Debatten zu Bild und Raum schärfen und differenzieren helfen.

Hieraus ergibt sich die Leitfrage der Tagung: Wie lässt sich das Potential von Bild und Raum in der kunstgeschichtlichen Forschung produktiv machen? Ein Erkenntnisfortschritt ist in drei Richtungen zu erwarten, nämlich erstens in Bezug auf den Bildbegriff, zweitens in Bezug auf den Raumbegriff und drittens in Bezug auf die kunsthistorische Forschung. Die jeweilige Problemstellung sowie die Gewichtung der einzelnen Komponenten sind den Vortragenden dabei freigestellt.

Folgende weiterführende Fragestellungen sollen daher allein der Anregung dienen: Welche impliziten oder expliziten Theorien zu Bild und Raum bietet die ältere Kunstgeschichte – z.B. in Form von kunstwissenschaftlichen Grundbegriffen (Heinrich Wölfflin, Erwin Panofsky) – und in welchem Verhältnis stehen diese Theorien zu aktuellen Fragestellungen? Was bedeuten Raum und Bild in Bezug auf die Unterscheidung verschiedener Gattungen (Malerei, Skulptur, Architektur) oder Studienschwerpunkte (Bildkünste, Architektur)? Ist ein neue Erkenntnisse fördernder Umgang mit Bild und Raum in der Kunstgeschichte an weitere Begriffe, wie z.B. Körper, gebunden? Wenn sich die Aussage der Sprache und das Zeigen dem Bild zuordnen lassen, wie könnte die Reihe in Hinblick auf den Raum fortgesetzt werden? Wie lassen sich Einzelwerk und gesellschaftliche Zusammenhänge systematisch verbinden? Wie lassen sich Räume über Bilder, z.B. Karten oder Diagramme, erschließen? Gibt es Varianten der kunstgeschichtlichen Forschung, die sinnvollerweise ohne Bild und Raum auskommen? Lassen sich Bild und Raum nicht nur als Mittel und Objekte der Forschung, sondern auch als Modus des Forschens konzipieren, etwa im Sinne Aby Warburgs Denkraum oder Aleida Assmanns Erinnerungsraum?

Wir ermutigen Vorschläge, die explizit an und mit Objekten arbeiten, um die Leitfrage der Tagung zu verfolgen.
Bitte senden Sie ein Abstract (200 – 300 Wörter) sowie einen kurzen Lebenslauf bis zum 31.01.2014, möglichst im Format pdf, an das_bild_als_ereignis@yahoo.com.

Die Auswahl der Sprecher erfolgt bis zum 28.02.2014.
Die anteilige Übernahme von Reise- und Übernachtungskosten ist vorgesehen und entsprechend beantragt. Ein Vereinsbeitritt der Konferenzteilnehmer ist sehr willkommen, aber nicht verpflichtend. Im Anschluss an die Tagung wird eine Buchpublikation zum Thema angestrebt.

Für die eingehenden Vorschläge bedanken wir uns im Voraus. Bei Fragen kontaktieren Sie bitte einen der Veranstalter:

Christian Nille (nille@uni-mainz.de)

Institut für Kunstgeschichte
Georg Forster-Gebäude
Jakob-Welder-Weg 12
55128 Mainz

Thomas Kaffenberger (thomas.kaffenberger@kcl.ac.uk)

An der Klosterheck 9
55130 Mainz

Source:  http://arthist.net/archive/6648

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