CFP: Frauen und Päpste. Zur Konstruktion von Weiblichkeit in Kunst und Urbanistik des römischen Seicento

Deadline:  31 October 2013

Warburg Haus, Hamburg, Germany

20-21 February 2014

Konzeption:
JProf. Dr. Iris Wenderholm (Universität Hamburg)
Prof. Dr. Eckhard Leuschner (Universität Erfurt)

Die Forschungslage zum Zusammenhang von Geschlechterverhältnissen und
den Künsten im römischen Seicento, speziell im Hoch- und Spätbarock, ist
überschaubar. Dieses Defizit mag primär durch die Einschätzung bedingt
sein, im Rom der Zeit seien sowohl die Aufträge als auch die
Repräsentationsbestrebungen der Eliten weitestgehend männlich dominiert
gewesen. Selbst wenn dies der Fall war, wäre ein solcher Sachverhalt
kein Anlass dazu, die künstlerische Darstellung von Frauen und die damit
verbundenen Vorstellungen von Weiblichkeit an diesem Ort zu
vernachlässigen – ganz im Gegenteil: Viel zu wenig gefragt ist bislang
nach den in Frauendarstellungen des römischen Seicento enthaltenen
“Vorannahmen” über Geschlechter, Geschlechterbeziehungen, Weiblichkeit
und – implizit oder explizit – Männlichkeit.

Ähnliches gilt für die kulturellen Kontexte: Gab es im römischen
Seicento Frauen, die sich als künstlerische, mäzenatische und
kulturpolitische Protagonistinnen positionieren konnten, und welche
Instrumente standen ihnen zur Verfügung? Zur Beantwortung dieser Fragen
ist nicht nur zwischen der Kurie und den anderen religiösen
Institutionen der Stadt, darunter Frauenklöster, zu differenzieren,
sondern sind ebenso die römischen Adelshäuser in die Betrachtung
einzubeziehen. Wie genau definierte sich in Rom der Spielraum, in dem
Frauen künstlerisch agieren, Kunst sammeln oder in Kunst- oder
Bauprojekten der Zeit ihre Spuren hinterlassen konnten? Führte die
männlich dominierte Auftraggeberseite spezifisch männliche Bildthemen
bzw. bestimmte – normative – Darstellungsformen von Frauen und
Weiblichkeit mit sich?

Die Tagung fokussiert Modellierungen von Weiblichkeit im
nachtridentinischen Rom zwischen ca. 1580 und 1700. Dazu sollen
Fallstudien zu Künstlerinnen und zur visuellen Repräsentation von Frauen
diskutiert und auf die weibliche und männliche Auftraggeberklientel
bezogen werden. Zudem erscheint es vielversprechend,
geschlechtsspezifische Stereotypen und deren künstlerische
Thematisierung und/oder ironische Durchbrechung zu studieren. Nicht
zuletzt in diesem Kontext ist es wünschenswert, auch auf Fragen der
homoerotischen Ästhetik einzugehen, die bislang vor allem angesichts von
Werken Caravaggios und dessen Kreis gestellt wurden. Einen zentralen
Stellenwert wird daneben die Frage nach einer weiblichen Einschreibung
in Architektur und den urbanen Raum haben. Neben der Rolle der
weiblichen bzw. der männlichen Betrachter wird es schließlich um die
Stil- und Moduswahl gehen.
Die Tagung soll so dazu dienen, einen bislang vernachlässigten Aspekt
der Kunstgeschichte des römischen Barocks zu erschließen, um in einem
bedeutenden Bereich der Kunst-, Bild- und Kulturgeschichte Aufschlüsse
über zentrale Wahrnehmungs- und damit Machtmechanismen zu erlangen.

Beiträge von 30 Minuten, die den Themenkomplex inhaltlich aufgreifen,
vertiefen und/oder methodisch erweitern, sollen in vier Sektionen
organisiert und auf zwei Tage verteilt werden:
1. Handlungsspielräume
2. Themen
3. Ist Rom eine Frau? Die Weiblichkeit der Stadt in Architektur und
Urbanistik
4. Kunstbegriffe und das Geschlecht der Betrachter

Bewerbungen mit einem Themenvorschlag sind bis zum 31.10.2013 zu richten
an:

JProf. Dr. Iris Wenderholm: iris.wenderholm@uni-hamburg.de

Prof. Dr. Eckhard Leuschner: eckhard.leuschner@uni-erfurt.de

Source:  http://arthist.net/archive/5873

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