CFP: Die andere Seite des Barock. Sozialfürsorge- und Bildungsbauten im 17. und 18. Jahrhundert (Beispiele, Vergleiche, Perspektiven)

6-8 April 2016

Registration deadline:  31 March 2016

Franckesche Stiftungen, Halle, Germany

Die in den letzten Jahren erfolgte Erforschung der Intentionen und Wirkabsichten der Architektur der Franckeschen Stiftungen hat zum einen deutlich gemacht, dass es sich beim „Waisenhaus“ in Halle sowie der gesamten Stiftungsanlage um eine im Barock wohl singuläre Architektur handelt, die so vorher nicht nachweisbar ist. Hier wurde eine neue Formensprache öffentlich-repräsentativen Bauens entwickelt, um fundamentale gesellschaftliche Aufgaben – Sozialfürsorge, Erziehung, Bildung, Frömmigkeit – in einen neuen räumlichen Gesamtzusammenhang zu stellen und durch diesen zu prägen.

Die interdisziplinär ausgerichtete Tagung hat sich zum Ziel gesetzt, die Forschung zu diesem Komplex weiter voran zu treiben. Dabei stehen zwei Blickrichtungen im Zentrum: Zum einen geht es darum, weitere Ergebnisse zu den Stiftungsbauten in Halle zu generieren, zum anderen aber darum, den bislang noch zu wenig beachteten Gesamtzusammenhang der Bauaufgaben Sozialfürsorge und Bildung im Zeitalter des Barock in den Blick zu nehmen. Dafür sollen exemplarisch Bauwerke und Anlagen, die sowohl vor als auch nach den Stiftungen in Halle entstanden sind, analysiert und vergleichend auf diese bezogen werden. Konkret soll das sozial-öffentliche Bauen im Alten Reich und den Nachbarländern thematisiert werden: Hierbei werden sowohl potentielle Vorbilder als auch Nachfolgebauten des Halleschen Waisenhauses sowie Bildungsbauten anderer religiöser und sozialer Kontexte betrachtet.

Neben dieser architektur- und sozialhistorischen Kontextualisierung sind auch übergeordnete Fragen zur „anderen Seite des Barock“ in den Blick zu nehmen: Inwieweit wirkten die Architektur und Nutzung des Waisenhauses an Prozessen der Habitusbildung mit? Welche Haltung wurde durch die Bauten bei den Nutzern eingeübt und befördert? Zudem gilt der Untersuchung technischer und baugeschichtlicher Fragen, wie z.B. nach den innovativen Holzkonstruktionen und den Mansarddächern, ein besonderes Interesse. Die Rezeption der Franckeschen Bauten, die Propagierung ihrer intendierten Modellhaftigkeit, erfolgte nicht zuletzt auf dem Weg ihrer bildlichen Verbreitung, z.B. durch Druckgrafik. Auch diese Quellengattung, die barocken Architekturzeichnungen, werden Thema der Tagung sein.

PROGRAMM

Mittwoch, 6. April 2016

14.30 Uhr
Begrüßung: Thomas Müller-Bahlke (Direktor der Franckeschen Stiftungen)

Meinrad von Engelberg (Darmstadt)
Eine „andere Seite“ des Barock? Einleitende Bemerkungen

Holger Zaunstöck (Halle)
„eine ziemlich gute Ordnung und Symmetrie dabei beobachtet worden, welches ohne Kosten geschehen ist“. Quellen und Fragen zur Architektur der Franckeschen Stiftungen

15.30 Uhr Kaffee

Sektion I: Das Hallesche Waisenhaus im europäischen Kontext

16.00 Uhr
Britta Hentschel (Zürich)
Die Stellung des Waisenhauses innerhalb der europäischen Fürsorgearchitektur

16.30 Uhr
Georg Schelbert (Berlin)
Der französische Fürsorgebau des Barock zwischen Kloster- und Schlosstypologien

17.00 Uhr
Eva von Engelberg-Dockal (Weimar / Kiel)
Waisenhäuser des dänischen Gesamtstaats: Flensburg und Altona

anschließend Erfrischung

18 Uhr – Öffentlicher Abendvortrag

Elisabeth Kieven (Rom/Osnabrück)
Symbolische Ordnung. Die Bauten der Franckeschen Stiftungen im europäischen Kontext

Donnerstag, 7. April 2016

Sektion II: Das Waisenhaus als Ort sozialer Formierung

10.00 Uhr
Johannes Süßmann (Paderborn)
Habitusformung in den Franckeschen Stiftungen und bei den Jesuiten. Ein Vergleich

10.30 Uhr
Joachim Jacob (Gießen)
Habitusformung durch pietistische Lebensregeln

11.00 Uhr Kaffee

11.30 Uhr
Andreas Wittenberg (Bamberg)
„Wir menschen solten seyn der Gottheit tempel“ – Eine Spurensuche in Tempel- und Architekturmetaphern im evangelischen Gesangbuch um 1700

12.00 Uhr
Christian Mejrup (Kopenhagen)
From doves to eagles: reconfiguring the divine household

12.30 Uhr Mittag

Sektion III: Materialität als Erkenntnisgegenstand

14.00 Uhr
Bernd Adam (Garbsen)
Herrschaftliche Fachwerkbauten des Barock in Norddeutschland – Träger steinimmitierender Verkleidung oder bewusste Zurschaustellung konstruktiver Schlichtheit?

14.30 Uhr
Antje Schloms (Mühlhausen)
Neubau, Altbau, Umnutzung – Beobachtungen zur Baugeschichte von Waisenhäusern (1650–1750) auf der Grundlage des „Waisenhauskatasters“ der Franckeschen Stiftungen

15.00 Uhr Kaffee

15.30 Uhr
Gregory Grämiger (Zürich)
Kontexte einer Büchersammlung. Die Bibliothek der Franckeschen Stiftungen in Architektur- und Wissenschaftsgeschichte

16.00 Uhr
Thomas Eißing (Bamberg)
Von der Bausubstanz als Bedeutungsträger. Das Waisenhaus und das Lange Haus der Franckeschen Stiftungen – die Analyse des materiellen Bestands als Beitrag zum Verständnis von Franckes Bauintentionen

18.00 Uhr Francke und der König – Der Besuch des preußischen Königs
Theaterführung mit Matthias Brenner (Chronist), Hilmar Eichhorn (Friedrich Wilhelm I.) und David Kramer (August Hermann Francke), Bühnen Halle

Freitag 8. April 2016

Sektion IV: Zeichen- und Modellhaftigkeit der Barockarchitektur

10.00 Uhr
Sabine Heiser (Berlin)
Architekturmodelle in Kunstkammern der Frühen Neuzeit – Gebrauch, Erfreuung und Belehrung

10.30 Uhr
Fritz Barth (Fellbach)
Die verschwiegene venustas. Zur Schaufassade der Franckeschen Stiftungen

11.00 Kaffee

11.30 Uhr
Matthias Franke (Dresden/Görlitz)
Halle – Herrnhut – Potsdam – Ludwigslust. Beispiele pietistisch geprägter Architektur im 18. Jahrhundert

12.00 Uhr
Meinrad von Engelberg (Darmstadt)
„Vermeinte Fürstlichkeit“ – das Waisenhaus als Herrschaftsarchitektur?

12.30 Abschlussdiskussion – Perspektiven und Fragen

13.30 Uhr
Möglichkeit zur Führung durch die Kunst- und Naturalienkammer sowie die Kulissenbibliothek der Franckeschen Stiftungen mit Claus Veltmann und Brigitte Klosterberg

Konzeption und Moderation:
Meinrad von Engelberg (Darmstadt), Thomas Eißing (Bamberg), Sabine Heiser (Berlin), Johannes Süßmann (Paderborn), Holger Zaunstöck (Halle)

Eine Tagungsgebühr wird nicht erhoben. Um verbindliche Anmeldung wird gebeten unter:  Wehner@francke-halle.de.

Source:  http://arthist.net/archive/12029

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